Künstlerin: Irene Hoppenberg

Der Fingerabdruck als Portrait ? Berliner K?nstlerin arbeitete einen Monat in der alten Schule in Rödles

Von Stefan Kritzer

Braidbach-Rödles.

Irene Hoppenburg hat ein Nest gebaut. Symbolischer hätte der Aufenthalt der K?nstlerin in der alten Schule nicht dokumentiert werden können.

Mit dem geliehenen Fahrrad war sie in den nahen Wald gefahren, hat Zweige, Blätter und Moos gesammelt und ein Nest geschaffen, das von der Größe allerdings selbst ein Adlerpärchen überfordern dürfte. Irene Hoppenburg verabschiedete sich mit einem Ausstellungsnachmittag an Pfingsten von Rödles, den die befreundete Figurenspielerin Veronika Medici aus dem schweizerischen Solothurn mit einem Tischtheater ergänzte. Die Berliner Künstlerin Irene Hoppenburg kehrt nach einem Monat Arbeit in der ländlichen Idylle zur?ck in die Gro?stadt. Möglich gemacht hatte den Aufenthalt Christa Schnitzler-Runge. Auch sie kommt aus Berlin, reist zwei bis dreimal in ihr Domizil nach Rödles. Seit 24 Jahren gehört ihr die alte Schule direkt neben der Kirche. Ein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit und ein Kontrast zum hektischen Großstadtleben, den sie in Zukunft zweimal im Jahr Künstlern zur Verfügung stellen möchte. War es im Herbst vergangenen Jahres eine Theatergruppe, die hier einen Monat lang arbeitete, so durfte jetzt Irene Hoppenburg vier Wochen lang das Landleben testen, durfte Holz hacken und anfeuern, um die kalten April- und Maitage zu überstehen. Gelegenheit um nachzudenken, um in sich zu gehen und in Ruhe zu arbeiten. Als eine Art Work in Progress? versteht sie die mit Bleistift und Kugelschreiber erarbeiteten Fingerabdrücke, denen sie sich in Rödles vornehmlich gewidmet hatte. Freunde und Bekannte portraitiert Irene Hoppenburg auf diese Weise, reduziert die menschliche Gestalt auf einen kleinen, kriminalistisch anmutenden Ausschnitt der im wirklichen Leben kaum eine gewichtige Rolle spielt. Wenigstens bei den meisten Menschen. Und doch ist es der Fingerabdruck, den Irene Hoppenburg in mühseliger Kleinarbeit stark vergrößert auf das Papier bringt. Die Arbeit fordert geradezu eine meditative Vertiefung in die Materie und damit Gelegenheit, neues und anderes zu denken. Irene Hoppenburg, Jahrgang 1951, stammt aus der Gegend um Schaffhausen bei Basel. Studiert hat sie in München an der Akademie der Bildenden K?nste. Seit 1987 lebt und arbeitet sie in Berlin, wo ihre Bilder entstehen und wo sie in den vergangenen Jahren auch zunehmend mit Skulpturen ein ums andere Mal Aufmerksamkeit erregte. Zur Zeit sind es eben jene gezeichneten Fingerabdrücke. Winzig kleine kreisrunde Bewegungen mit dem Bleistift oder dem Kugelschreiber schaffen einen gezeichneten Fingerabdruck, der auf die Distanz gesehen einem Computerausdruck nahe ist. Die Verwischung solcher Grenzen ist durchaus gewollt. Nicht die surreale Welt der Kunst sucht Irene Hoppenburg, sondern die realistische Kunst, will in der Gegenwart zeigen, was in der Gegenwart ist. Sehen kann man die Arbeiten der Künstlerin in der alten Schule jetzt nicht mehr. Irene Hoppenburg reist in diesen Tagen in die Bundeshauptstadt zurück. Welche Inspirationen ihr der Monat auf dem Lande gebracht hat wird sich erst später weisen.

Unterzeile:

Überdimensional gezeichnete Fingerabdr?cke hat die Berliner K?nstlerin Irene Hoppenburg in der alten Schule in Rödles gefertigt. Foto: Stefan Kritzer

 

Der Werkaufenthalt wurde mit einer Abschlussveranstaltung am 29. Mai 2004 beendet.