Künstler: Johan Zeitler

Unruhe, Gedanken, Denkverzweigungen ? Das Rödles-Tagebuch des Berliner Künstlers Johann Zeitler

Von Stefan Kritzer

Bastheim-Rödles.

Was hat die Transzendentalphilosophie mit der Malerei der Gegenwart zu tun? Eine einfache Frage stellte sich Johann Zeitler für seinen Aufenthalt im alten Schulhaus von Rödles nicht.

Vier Wochen war der Berliner Künstler auf Einladung von Christa Schnitzler-Runge zu Gast. Eine produktive Zeit, in welcher der Maler und Performancekünstler Tendenzen und Traktate der Philosophie mit der Malerei und den zahlreichen Eindrücken vor Ort verband. Das spektakulärste Werk des vierwöchigen Schaffens ist ein Rödles-Tagebuch, in dem Johann Zeitler seine Erlebnisse in Zeichnungen, Bildern und Geschriebenem hinterlegt. Johann Zeitler, Jahrgang 1954, stammt aus dem Altmühltal. Er hat Philosophie studiert und in den achtziger Jahren mit Musik und audiovisuellen Projekten erste künstlerische Versuche unternommen. Erst in den neunziger Jahren widmete er sich mehr und mehr der Malerei, die heute den Schwerpunkt seiner Arbeit bedeutet. Seine Bilder bleiben in einem abstrakten Gefüge. Tritt das Figürliche hinzu, hört Zeitler auf zu malen. So bleibt der Rest einer Grundstruktur vorhanden, aber nicht mehr erkennbar. Mehrere Bilder sind auf diese Weise in Rödles entstanden. Ebenso wie stark plakative Werke die dem Muster von Flächen und Linien folgen. Zu diesem Miteinander von Flächen und Linien hat Johann Zeitler die ehemalige innerdeutsche Grenze inspiriert. Immer wieder tauchen Grenzverläufe auch in seinem Tagebuch auf. Wird über Grenze philosophiert. Was ist eine Grenze? Bereits der Rand einer farbigen Fläche die sich auf dem weißen Blatt hervorhebt? Dicht umringten Johann Zeitler die neugierigen Blicke bei der Vorstellung des Rödles-Tagebuchs am Sonntag Abend. Der zunächst schwierigen philosophischen Erklärung des Ganzen folgte eine eindrucksvolle Vorstellung des Tagebuchs. Auf großformatigen Blättern hat Zeitler jeden Tag festgehalten. Seine Unternehmungen, seine Eindrücke, seine philosophischen Betrachtungen. Bisweilen mutet es wie ein Kompendium der Philosophie vom 18.bis zum 20. Jahrhundert an. Dann wieder skizziert Zeitler den Frickenhauser See, läßt sich einlullen von den Gespenstergeschichten der Rhön, ist fasziniert vom Brauchtum und dem Anmut der Landschaft. Und immer steht die Frage nach dem Stellenwert der transzendentalen Philosophie in der Gegenwart im Raum. Die Natur mit ihrer Farbigkeit soll Zeitler auf dieser Suche behilflich sein. Dazu ist bisweilen die Reduktion das Mittel zum Zweck. Reduktion einer Fläche zu einer Linie, aus der Reduktion wird gleichzeitig eine Kontraktion, daraus ein Abstrahierungsprozeß. Johann Zeitler macht es sich nicht leicht. Und dem Betrachter seiner Bilder auch nicht. Aus der Unruhe entstehen Gedanken, die in weiterbringen und Denkverzweigungen herstellen. Dazu passte auch die Musik zur Ausstellung. Analoge Gitarrenklänge sollten die Basis bilden zu einer Ordnung der Klangfelder. Professor Dr. Stephan Günzel von der Humboldt-Universität in Berlin schuf dieses Klangerlebnis, das die Ausstellung würdig umrahmte.

Und was geschieht nun mit dem Rödles-Tagebuch von Johann Zeitler? Es ist viel zu schade, um in Berlin zu verstauben. Zeitler hat einen philosophischen Kunstband der Rhön in nur vier Wochen geschaffen. Das sollte im Gedächtnis bleiben. Hier vor Ort.

Unterzeile:

Vier Wochen war der Berliner Künstler Johann Zeitler in Rödles. In dieser Zeit hat er ein faszinierendes Tagebuch geschrieben und gemalt. Foto: Stefan Kritzer

 

Der Werkaufenthalt wurde mit einer Abschlussveranstaltung am 29. August 2004 beendet.